Page 30 - Sagen aus dem Achenseegebiet
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sich die Buben diese aus dem Wald. Dann richtet der
Vater eine lange, bunt bemalte Stange her, an deren
Ende die „Palmkatzln" und Ölzweige buschenförmig
angesteckt werden. An die Zweiglein werden kleine
Brezeln und Äpfel gebunden und das Ganze mit Bän-
dern verziert. In gleicher Weise bringen dann die Bu-
ben, die wie „Körbelemädchen", ihren Verwandten
und Bekannten Palmzweige, wofür sie auch irgendein
Silberstück bekommen. Der „Palm" prunkt dann noch
lange Zeit am Gartenzaun.
* * *
Die Nacht vor des Kaisers Geburtstag (18. Aug.) er-
hellte früher ein herrliches Feuerwerk, das seit Beginn
der Dampfschifffahrt sich so großartig gestaltete, dass
es wohl allen, die es einmal gesehen haben, in unver-
gesslicher Erinnerung bleiben wird. In alter Zeit fuhr
man mit „Pucheln" (Fackeln) auf den See und entzün-
dete dort auf einem Floß ein herrliches Feuerwerk.
Später aber besorgten das die neuen Dampfschiffe,
die mit Raketen und Leuchtkugeln aufeinander schos-
sen und so das Bild einer gefahrlosen Seeschlacht bo-
ten. Ganze Büschel von Raketen fuhren zum Himmel
empor und versprühten dort in tausend Farben. Am
Ufer fuhren mit Lampions geschmückte Kähne, deren
Insassen vaterländische Weisen sangen. Scharen von
weither geeilten Zuschauern, die sich das prächtige
Schauspiel ansahen, spazierten am Strand entlang.
Am Ende der Schlacht brannte der eine Dampfer lich-
terloh in grünem, der andere in rotem bengalischem
Feuer. Dann fuhren beide Schiffe zum Landungssteg,

